Anlässlich des 1. Mai, dem Internationalen Tag der Arbeit, veröffentlichten drei politische Gefangene – Zartosht Ahmadi Ragheb, Arsham Rezaei und Reza Mohammad-Hosseini – aus dem Gefängnis Qezel Hesar bei Karaj einen offenen Brief. In diesem reagierten sie auf die verheerende Explosion am 6. Ordibehesht 1404 (26. April 2025) im Industriehafen Shahid Rajaee in Bandar Abbas, bei der laut offiziellen Angaben mindestens 70 Menschen getötet, über 1.200 verletzt und zahlreiche weitere vermisst wurden.
Die Unterzeichner des Schreibens, allesamt langjährige Aktivisten und ehemalige Arbeiter, verurteilen das Geschehen als „organisierte staatliche Fahrlässigkeit“. Sie erklären ihre Solidarität mit den Familien der Opfer und betonen, dass es sich nicht um ein „unglückliches Ereignis“, sondern um eine Folge von „Profitgier, Inkompetenz und Gleichgültigkeit der herrschenden Machtstruktur“ handle.
Besonders betroffen seien die direkt am Hafen arbeitenden Menschen: Kranführer, Lkw-Fahrer, Hafenarbeiter und weitere Dienstleistende, die ohne ausreichende Sicherheitsvorkehrungen einem lebensgefährlichen Arbeitsumfeld ausgeliefert waren. Nach Berichten von HRANA soll sich die Explosion durch die unsachgemäße Lagerung gefährlicher Güter ohne Sicherheitsprotokoll und ohne Zollanmeldung ereignet haben.
Im Schreiben bekräftigen die drei Gefangenen ihre Unterstützung für die landesweiten Arbeitskämpfe. Sie bezeichnen das Streikrecht als ein „grundlegendes und legitimes Mittel zur Durchsetzung von Rechten“. Besonders eindrucksvoll ist ihre Aussage:
„Das Leben der Arbeiter*innen in diesem Land ist die billigste Ware.“
Sie erinnern auch an andere tödliche Arbeitsunfälle in iranischen Minen und Industriebetrieben – in Tabas, Shazand, Qorveh, Damghan – und weisen auf die systematische Unterdrückung von Arbeitsprotesten, die Kriminalisierung gewerkschaftlicher Tätigkeit und die fehlende Berichterstattung über Arbeitsunfälle hin.
Hamrah.United schließt sich der Trauer um die Verstorbenen an und sieht in dem Brief der Gefangenen ein eindrückliches Zeugnis dafür, wie tief der Widerstand gegen Unterdrückung auch hinter Gefängnismauern weiterlebt. Wir fordern vollständige Aufklärung des Vorfalls, internationale Beobachtung der Arbeitsbedingungen im Iran sowie die sofortige Freilassung aller gewerkschaftlich aktiven und politischen Gefangenen.
Quelle: HRANA – Human Rights Activists News Agency, Iran

